Gastronomie
  
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Nordseefund Bernstein

Mythos und Faszination

Und Rinde verschloss die redenden Lippen.
Tränen noch fließen heraus und erstarren, vom jungen Gezweige

Tropfend, am sonnigen Strahl zu Bernstein, welchen der klare
Strom aufnimmt und sendet zum Schmuck den latinischen Frauen.

Ovid

 

Foto: Bernsteinkontor Büsum
Mythos Bernstein

Der Phaeton-Mythos des römischen Dichters Ovid zählt zu den ergreifendsten Sagen um die Entstehung von Bernstein. In früheren Jahrhunderten gehörten Gegenstände aus Bernstein zu kostbaren Gastgeschenken von Fürsten und Königen. Schon die Germanen handelten mit den wertvollen Steinen und im antiken Rom schätzte man den Bernstein nicht nur als Schmuckstück, sondern auch als Heilstein bei Hautkrankheiten, Magen-, Hals- und Zahnschmerzen und zur Wundheilung.

 

Die Faszination Bernstein entstammt sicherlich auch der Tatsache, dass die Herkunft des geheimnisumwitterten Steines lange unbekannt war – und teilweise noch heute ist. Dass man Bernstein zunächst vor allem im Meer fand, führte zu den Schlussfolgerungen, es handele sich um „verdichtetes Meer“ oder den „Schweiß“ oder „Dampf“ des Meeres.

 

Der Bernsteinwald
Vor 40 bis 50 Millionen Jahren herrschte im heutigen Ostseeraum ein tropisches Klima, ein riesiger Wald mit besonders stark harzenden Bernsteinbäumen bedeckte das Land. Das Wissen um die Artenvielfalt in diesem einstigen Lebensraum verdanken wir Einschlüssen von fossilen Pflanzen und Insekten im Bernstein, den Inklusen. Den ästhetischen Wert der Einschlüsse wussten schon die Römer zu schätzen, und bis heute üben die „gläsernen Särge“ für Liebhaber eine große Anziehungskraft aus. Der aromatische Duft, die glänzende Oberfläche und die honiggelbe Farbe des frischen Harzes lockten immer wieder Insekten an, die in der klebrigen Masse hängen blieben und eingeschlossen wurden, Pflanzenteile wie Samen und Früchte wurden vom Wind in das Harz geweht – um über Millionen von Jahren im Bernstein erhalten zu bleiben.

 

Bernstein heute

Das fossile Harz ist heute wieder hoch begehrt – dabei gehen nur die schönsten Stücke direkt in die Schmuckproduktion. Firnisse und Lacke aus Bernstein waren schon im 18. Jahrhundert wegen ihres Glanzes, ihrer Härte und Dauerhaftigkeit geschätzt, heute wird der Naturlack als allergiearme Alternative im Innen- und Wohnbereich wiederentdeckt.

 

Nordseebernstein

Antike Schriften beschreiben gewaltige Vorkommen an der Nordseeküste, deren Bewohner Bernstein sogar als Brennmaterial anstelle von Holz nutzten. Solche Massen gibt es heute nicht mehr an unseren Stränden, es bedarf schon etwas Glück, ein Stückchen Bernstein zu finden. Hauptfundort sind hier die vorgelagerten Sandbänke vor der Halbinsel Eiderstedt, wo nach Stürmen immer mal wieder Bernstein angespült wird.

 

Günstige Bedingungen ergeben sich beispielsweise in der kalten Jahreszeit, denn in kaltem Wasser schwebt Bernstein besser und kann so leichter von der Strömung transportiert werden. Bei der Jagd nach Fundstücken am Strand sollte man allerdings nicht zwischen anderen nassglänzenden Steinen suchen, sondern eher in unmittelbarer Nähe von angeschwemmten Algen oder Holzstücken, die aufgrund ihres ähnlichen Gewichtes von der Strömung des ablaufenden Wassers an den gleichen Stellen wie der Bernstein abgelagert wird.

 
Und wie erkennt der Laie nun, ob es sich bei seinem Fund tatsächlich um einen echten Bernstein handelt? Um den Fund auf seine Echtheit zu überprüfen, gibt es 4 allgemein bekannte Tests, die man auch problemlos zu Hause durchführen kann:
 
Test 1: Brenntest
Als fossiles Harz zeichnet sich echter Bernstein durch seine Brennbarkeit aus. Zündet man ihn an einer Ecke vorsichtig an, brennt er mit gelber Flamme und verströmt nach dem Auspusten einen aromatischen Geruch, der an Weihrauch erinnert. 
 
Test 2: Schwimmtest
In einer gesättigten Salzwasserlösung schwimmt Bernstein. Mit einem Glas Wasser und etwa vier Esslöffeln Kochsalz kann man diese Eigenschaft leicht prüfen, denn andere Steine (oder auch Fälschungen) sinken auf den Boden des Glases.
 
Test 3: Klopftest
Wird ein Bernstein (vorsichtig) gegen einen Schneidezahn geklopft, entsteht ein dumpfer Klang. Andere Steine oder auch Glasscherben verursachen einen wesentlich höheren Ton.
 
Test 4: Reibetest
Echter Bernstein hat die Eigenschaft, sich bei Reibung elektrostatisch aufzuladen.  Falls es sich bei dem Fund tatsächlich um einen Bernstein handelt, kann er – nachdem man ihn an Wolle gerieben hat – kleine Papierschnipsel anziehen.

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